Idiopathischer Normaldruck-Hydrocephalus

"Altershirndruck" oder idiopathischer Normaldruckhydrocephalus

Der Altershirndruck gehört zu den Demenzerkrankungen und wurde 1963 erstmals von Salomon Hakim beschrieben. Während die Ursache dieser Erkrankung bis heute weitgehend unbekannt ist, kann durch moderne Diagnostik und Therapie bei 70–90% der Patienten eine deutliche Linderung der Symptome erreicht werden. In der Schweiz sind wahrscheinlich bis zu 20'000 Patienten über 80 Jahre und mindestens 2000 über 60 Jahre betroffen. Auch in jüngerem Alter kann die Erkrankung bereits auftreten. Männer sind etwa zweimal so häufig betroffen wie Frauen.

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Das wichtigste und oft auch erste Symptom der Erkrankung ist eine Verschlechterung des Gangbildes. Die Schritte werden kürzer, die Füsse werden weniger hoch vom Boden gehoben und die Fussspitzen zeigen häufig nach aussen. Das Drehen um 180° um die eigene Körperachse benötigt meistens mehrere Schritte.

Ein zweites typisches Symptom ist die Harninkontinenz (die Unfähigkeit, das Wasser zu halten und rechtzeitig das WC zu erreichen). Zuletzt treten auch dementielle Symptome auf. Sie beginnen meistens mit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Wenn alle drei Hauptsymptome gemeinsam auftreten, wird dies als „Hakim-Trias" bezeichnet. In Computer- und Kernspintomografieaufnahmen des Kopfes finden sich oft weite innere Hirnkammern („Ventrikel“).

Bei Auftreten der typischen Symptome und gleichzeitigem Nachweis der oben beschriebenen Veränderungen im Computer-/Kernspintomogramm (CT oder MRT) besteht ein dringender Verdacht auf das Vorliegen eines Altershirndrucks.

Die Behandlung erfolgt durch Anlage einer Ableitung von den Hirnkammern zur Bauchhöhle („Shunt“). Dieser Eingriff wird in Narkose durchgeführt. Der stationäre Aufenthalt dazu dauert in der Regel eine Woche.

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Die Abbildung zeigt das Gehirn und die Hirnkammern eines Patienten mit einliegendem Shunt-Katheter. Der Schlauch zum Bauch wird unsichtbar unter der Haut implantiert. 

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in diesem Beitrag und in der Patientenbroschüre Altershirndruck - die heilbare Demenz (pdf)

 

Die Diagnostik bei Verdacht auf Altershirndruck

Bei Verdacht auf Bestehen eines Altershirndrucks empfehlen wir eine standardisierte Untersuchung. Zunächst sollte eine Computer- (CT) oder Kernspintomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt werden, um zu bestätigen, dass eine Erweiterung der Hirnkammern vorliegt. Ausserdem kann in dieser Bildgebung eine Reihe möglicher anderer Ursachen für die vorliegenden Symptome ausgeschossen werden.

Erhärtet sich in dieser Bildgebung unser Verdacht, sollte ein Lioquorablassversuch durchgeführt werden. Dabei wird durch eine so genannte Lumbalpunktion (siehe Abbildung) ein Volumen von 40 ml Hirnwasser abgelassen. Die Senkung des Drucks im Kopf bewirkt dann im Idealfall eine Verbesserung des Gangbildes, manchmal auch der anderen Symptome für kurze Zeit. Wir versuchen, diese Verbesserung im Ganglabor sicht- und messbar zu machen.

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Die Abbildung zeigt das Prinzip einer Lumbalpunktion. Da das Rückenmark ebenfalls mit Hirnwasser umspült wird, welches mit dem Hirnwasser im Schädel in Verbindung steht, kann durch eine Punktion am Rücken etwas Wasser aus den Hirnwasserräumen (auch des Kopfes) entfernt werden.

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Die Untersuchung des Gangbildes erfolgt im Ganglabor der Neurologischen Klinik am UniversitätsSpital Zürich. Kameras auf allen Seiten und Sensoren im Laufband erlauben eine genaue Analyse des Gehens. Die Handläufe und auch das Gurt-Sicherungssystem ermöglichen eine sturzsichere Untersuchung.