Wie läuft eine tiefe Hirnstimulation ab?

Vorbesprechung der Behandlung mit Patienten und Angehörigen

Die Tiefe Hirnstimulation bedeutet einen wichtigen Einschnitt im Leben eines Patienten, aber auch seiner Angehörigen. Über die Behandlung wird an vielen Orten informiert. Leider sind viele dieser Informationen widersprüchlich und verwirrend. Aus diesem Grund legen wir grossen Wert auf ein gemeinsames Gespräch zwischen Neurologen (Prof. Baumann), Neurochirurgen (PD Dr. Stieglitz, Dr. Oertel), Patienten und Angehörigen, bei dem wir die Behandlungsindikation, den Eingriff, den Ablauf der Behandlungen, Chancen und Risiken im Detail erläutern.

Vor der Behandlung

Abhängig von der zu behandelnden Erkrankung ist es in der Regel sinnvoll, vor dem Eingriff ein paar Tage stationär für eine umfassende Abklärung einzutreten, andere Untersuchungen können ambulant stattfinden. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden zusammen mit den Patienten und ihren Angehörigen diskutiert, individuell werden Chancen und Risiken abgewogen. Danach erfolgt der Entscheid für oder gegen die Behandlung.

Ein bis zwei Tage vor dem Eingriff tritt der Patient ins Spital ein. In diesem Rahmen können beispielsweise bei Parkinson-Patienten die Medikamente schrittweise reduziert werden. Es erfolgt auch ein Vorgespräch mit dem behandelnden Anästhesisten, und ein nochmaliges Gespräch mit dem Neurochirurgen.

Der Operationstag

Am Morgen des Operationstages erhalten Sie kein Frühstück. Wichtige Medikamente dürfen mit etwas Wasser eingenommen werden, Parkinson-Medikamente, auch Madopar, werden nicht eingenommen.

Um 7 Uhr früh werden Sie im Zimmer abgeholt. Kurz darauf treffen Sie Ihren Neurochirurgen im Computertomographen. Dort erfolgt die Anlage des Stereotaxierahmens in örtlicher Betäubung. Dabei handelt es sich um einen Titanring, der um den Kopf herum mit vier Dornen am Schädel fixiert wird. Anschliessend wird eine Computertomographie des Kopfes durchgeführt.

 dbs Rahmenanlage.png

  

 

Wurde der ideale Zielpunkt gefunden, erfolgt dort eine testweise Stimulation. Währenddessen werden neurologische Untersuchungen durchgeführt, um sowohl die Wirksamkeit der Stimulation an dieser Stelle zu bestätigen, als auch abzuschätzen, ob Nebenwirkungen durch die Stimulation auftreten. Bei gutem Ansprechen wird eine definitive Elektrode unter Röntgenkontrolle an genau diesen Punkt gebracht und am Knochen fixiert.

Die Prozedur wird bei beidseitiger Implantation anschliessend auf der Gegenseite wiederholt. In der Regel ist der Eingriff gegen Mittag abgeschlossen. Eine Computertomographie bestätigt die korrekte Lage der Elektroden.

DBS Testung.pngWurde zuvor ein 2-zeitiges Vorgehen besprochen, ist für diesen Tag der Eingriff abgeschlossen. Über durch die Haut nach aussen geführte Elektrodenverlängerungen kann nun für 1 bis 2 Tage die Stimulation ausgetestet werden. Die Implantation des Impulsgenerators („Schrittmachers") erfolgt dann in einem kurzen Eingriff (30-45 Minuten) in Narkose Dieses Vorgehen hat sich vor Allem bei älteren Parkinson-Patienten bewährt, von denen die Implantation der Elektroden im Wachzustand oft als sehr anstrengend empfunden wird.

Wurde ein 1-zeitiges Vorgehen besprochen, wird der Impulsgenerator („Schrittmacher") noch am gleichen Tag in Narkose implantiert.

Nach der Implantation der Elektroden werden Patienten für 1 Nacht auf der Intensivstation überwacht. Am Folgetag (manchmal schon gleichentags) können sie auf die Normalstation verlegt werden.

Nach der Operation

Nach der Elektrodenimplantation bleiben Sie für etwa 1 Woche in stationärer Behandlung. Während dieser Zeit erfolgt die langsame Aktivierung des Impulsgenerators. Wichtig ist, dass dieser Prozess längere Zeit in Anspruch nehmen kann und insgesamt mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen kann. Tremor-Patienten können anschliessend meistens nach hause austreten. Für Parkinson-Patienten ist in der Regel eine Rehabilitation sinnvoll und dringend empfohlen.

Nachkontrollen

Ca. 6 Wochen nach dem Eingriff erfolgt eine Nachkontrolle in der neurochirurgischen Sprechstunde. Dabei werden die Wunden kontrolliert und allgemein der Behandlungserfolg beurteilt. Weitere Kontrollen erfolgen in der Parkinson-Sprechstunde der neurologischen Klinik, im ersten Halbjahr nach der Operation in der Regel im Monatsrhythmus. Ein halbes Jahr nach der Operation werden zwingend viele Untersuchungen, welche bereits vor der Operation durchgeführt wurden, wiederholt – dies dient der Qualitätssicherung des Eingriffs, aber auch der individuellen Anpassung der Behandlung.

Weiterlesen: Was bring die DBS, Risiken und Nebenwirkungen