Geschichte der Neurochirurgie in Zürich

Die aufregende Geschichte der Klinik für Neurochirurgie am USZ datiert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits die Allgemeinchirurgen Rudolf Ulrich Krönlein und Paul Clairmont vom USZ führten lebensrettende neurochirurgische Eingriffe durch und waren hiermit Europa- und weltweite Pioniere. Die Entwicklung der modernen Neurochirurgie wurde durch Hugo Krayenbühl entscheidend geprägt, der am 6. Juli 1937 die Klinik für Neurochirurgie am USZ als erste spezialisiert neurochirurgische Klinik der Schweiz gründete. Bisher unheilbare Krankheiten dem Tode geweihter Patienten konnten plötzlich behandelt werden, was eine revolutionäre Epoche in der medizinischen Versorgungsqualität der Schweiz einleitete.

Über Jahrzehnte hinweg war die Klinik für Neurochirurgie am USZ die einzige Schweizer Klinik in der komplexe neurochirurgische Krankheitsbilder diagnostiziert und behandelt werden konnten. Einige Operationen und Techniken, die mittlerweile zum Repertoire spezialisierter Kliniken weltweit gehören, wurden hier entwickelt und erstmals durchgeführt. Geprägt von den renommierten Klinikdirektoren Hugo Krayenbühl und seinem Nachfolger Mahmout Gazi Yaşargil, der als bedeutendster Neurochirurg des 20. Jahrhunderts gilt, entwickelte sich von hier aus eine Schule für Neurochirurgie, welche weit über die Grenzen der Ost- und Westschweiz hinaus etabliert wurde. Unter anderem aufgrund seiner speziellen Expertise im Bereich der vaskulären Neurochirurgie wurde Luca Regli mit dem Amt betraut, die Tradition der USZ Neurochirurgie weiterzuführen. Aus aller Welt kommen seither junge, aber auch erfahrenere Neurochirurgen ans USZ um die hier etablierten Operationstechniken zu beobachten und zu erlernen.

Bis heute zählt die Klinik für Neurochirurgie am USZ zu den weltweit renommiertesten Abteilungen mit Exzellenz in den Bereichen individueller Patientenversorgung, Entwicklung moderner, minimal-invasiver Behandlungskonzepte und klinischer- sowie Grundlagenforschung. Sie ist eine der wenigen Kliniken, die das gesamte Spektrum der kraniellen und spinalen Neurochirurgie anbieten. Unter Prof. Luca Reglis Leitung wird mithilfe modernster technischer Hilfsmittel ein individuelles Behandlungskonzept entwickelt, auf die persönlichen Bedürfnisse eines jeden Patienten zugeschnitten und durch fachliche Experten präzise ausgeführt. Neben den persönlichen und professionellen Stärken der Klinikmitarbeiter untermauert der Einsatz und die Kombination der weltweit besten aktuell verfügbaren Operationssysteme den Anspruch der Spitzenmedizin:

  • intraoperatives 3-Tesla „high definition" Magentresonanztomogramm (MRT)
  • intraoperatives AIRO-Computertomogramm (CT)
  • intraoperative 3-Dimensionale HD-Endoskopie
  • intraoperatives Neuromonitoring
  • intraoperative Neuronavigation
  • intraoperative Indocyaningrün (ICG)-Angiographie
  • intraoperative 5-Aminolävulinsäure (ALA) Floureszenz
  • minimal-invasive mikroneurochirurgische Operationstechniken

Nach stattgefundenen Operationen werden unsere Patienten auf einer spezialisierten neurochirurgischen Intensivpflegestation betreut, welche eine vollumfassende Patientenversorgung gewährleistet. Durch die standardisierte, prospektive Erfassung der Behandlungsqualität wird diese fortlaufend bewertet und optimiert.

Prof. Luca Regli und sein Team blicken im Jahr 2017 auf das 80. Jubiläum der Klinikgründung zurück. Durch Tradition verpflichtet und durch Pioniergeist motiviert arbeiten sie an visionären Konzepten einer „Neurochirurgie 3.0".

Nachfolgende Liste stellt einige der herausragenden Pionierleistungen vor:

  • 1882: Neurochirurgische Behandlung von schweren Schädel-Hirn-Traumata (Krönlein; Zürich)
  • 1895: Erste Kraniotomie zur operativen Entfernung eines Hirntumors (Krönlein; Zürich)
  • 1910: Diagnose und operative Entfernung einer Läsion im Rückenmark (Höhe C3/4. Brun; Luzern und Veraguth; Zürich)
  • 1927: Diagnose und Entfernung eines lumbalen Bandscheibenvorfalls (Höhe L4/5. Brun; Luzern und Veraguth; Zürich)
  • 1937: Ventrikulographie (Krayenbühl)
  • 1938: Drittventrikulostomie (Krayenbühl)
  • 1940: Cerebrale Angiographie (Krayenbühl)
  • 1957: Stereotaxie
  • 1967: Mikroneurochirurgie (Krayenbühl & Yaşargil)
  • 1967: Extrakranieller-intrakranieller Bypass (EC-IC bypass; Yaşargil)
  • 1973: Transsylvische selektive Amygdalohippokampektomie (SAHE; Yaşargil)
  • 1989: Wada-Test
  • 2009: Transkranielle MR-geleitete hochfokussierte Ultraschall-Chirurgie (tcMRgHIFUS)
  • 2012: Excimer Laser-assisted Non-occlusive Anastomosis (ELANA) Bypass Technologie (Regli)
  • 2014: Suprazerebelläre transtentorielle selektive Amygdalohippokampektomie (Niklaus Krayenbühl, Erstbeschreibung 2012 durch U. Türe)

Eine Übersichtsarbeit mit weiteren Details zur Geschichte der Klinik wird hier in Kürze als PDF-Datei zum Download verfügbar sein.